ADHS: Aufmerksamkeit verstehen – jenseits von Klischees
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist viel mehr als nur „Zappelphilipp“ oder „Träumchen“. Es ist eine , die Denken, Fühlen und Handeln auf eine einzigartige Weise prägt – mit Herausforderungen, aber auch mit besonderen Stärken.
Auf dieser Seite finden Sie klare Informationen, praktische Tipps und einen neuen Blick auf ADHS – ohne Vorurteile, aber mit Verständnis für den Alltag.
1. Was ist ADHS?
ADHS zeigt sich vor allem in drei Kernbereichen – allerdings nicht bei jedem gleich stark:
-
Aufmerksamkeitssteuerung:
- Schwierigkeiten, sich zu fokussieren – außer bei Themen, die wirklich interessieren („“).
- Ablenkbarkeit durch Reize (Geräusche, Gedanken, Umgebungsdetails).
- Organisationsprobleme (z. B. Zeitmanagement, Prioritäten setzen).
-
Impulsivität:
- Schnelle Entscheidungen – manchmal ohne „Bremse“.
- Unterbrechen anderer im Gespräch (nicht aus Unhöflichkeit, sondern aus Begeisterung).
- Risikobereitschaft (z. B. spontane Aktionen, Geldausgaben).
-
Hyperaktivität (nicht bei allen!):
- Körperliche Unruhe (z. B. mit den Beinen wippen, aufstehen müssen).
- Innere Getriebenheit („Ich kann nicht abschalten“).
- Reden ohne Pause – weil die Gedanken schneller sind als die Worte.
- Wichtig: Viele Menschen (besonders Frauen/Mädchen) haben keine sichtbare Hyperaktivität, sondern eher („“).
2. Mythen & Fakten
- „ADHS gibt es nur bei Kindern.“
-
- Erwachsene haben auch ADHS – es zeigt sich nur anders.
- „ADHS ist nur mangelnde Disziplin.“
- ADHS ist neurologisch bedingt – Willenskraft allein reicht nicht.
- „Nur Jungen haben ADHS.“
- Mädchen/Frauen werden oft übersehen, weil sie seltener „zappeln“.
- „ADHS-Betroffene sind chaotisch.“
- Oft hochkreative Problemlöser:innen – nur mit anderem Rhythmus.
- „Medikamente sind die einzige Lösung.“
- Therapie, Coaching & Strategien sind genauso wichtig wie Medikation.
3. Stärken von ADHS – die oft übersehen werden
ADHS bringt einzigartige Fähigkeiten mit sich:
- Kreativität & Querdenken: Unkonventionelle Lösungen, spontane Ideen.
- Enthusiasmus & Begeisterungsfähigkeit: Wenn etwas interessiert, 100% Einsatz.
- Hohe Energie & Tatendrang: Ansteckende Motivation für andere.
- Empathie & Gerechtigkeitssinn: Starke Wahrnehmung von Ungerechtigkeit.
- Flexibilität: Schnelles Umdenken in unvorhergesehenen Situationen.
4. Diagnose: Warum sie helfen kann – und was sie bedeutet
Eine ADHS-Diagnose kann Erleichterung bringen – endlich eine Erklärung für lebenslange Herausforderungen! Gleichzeitig wirft sie Fragen auf.
- Vorteile einer Diagnose:
- Selbstverständnis: „Aha, deshalb bin ich so!“
- Zugang zu Unterstützung (z. B. Therapie, Coaching, Medikation).
- (z. B. in Schule/Studium: mehr Zeit bei Prüfungen).
- Entlastung für Beziehungen (Partner:innen, Familie verstehen plötzlich „warum“).
- Herausforderungen:
- : Manche Menschen reagieren mit Vorurteilen („Du bist doch nur faul!“).
- Kosten: Die Diagnostik wird oft nicht von Krankenkassen übernommen (außer in Kliniken mit Wartezeiten).
- Trauer/Erleichterung: Eine Diagnose kann auslösen – das ist normal!
5. Alltagsstrategien: Was wirklich hilft
ADHS-Management ist kein „One-Size-Fits-All“ – aber diese praktischen Ansätze helfen vielen:
- Struktur & Organisation:
- Äußere Strukturen schaffen (z. B. visuelle Pläne, Timer, Erinnerungs-Apps).
- (jemand ist einfach anwesend, um Aufgaben zu erledigen).
- Mini-Ziele setzen („Nur 5 Minuten aufräumen“ – oft kommt dann mehr).
- Aufmerksamkeit lenken:
- Fokus-Zeiten nutzen (z. B. : 25 Min. Arbeit, 5 Min. Pause).
- Reizarme Umgebung (z. B. Kopfhörer mit weißem Rauschen).
- Bewegung einbauen (z. B. Telefonate im Gehen, Stehtische).
- Emotionen & Impulse regulieren:
- (kurz innehalten, bevor man handelt/spricht).
- Notfall-Kit (z. B. Kaugummi, Stressball, Notizblock für Gedanken).
- Selbstmitgefühl üben („Es ist okay, wenn ich etwas vergesse.“).
- Beziehungen & Kommunikation:
- Klare Absprachen („Kannst du mir bitte direkt sagen, was du brauchst?“).
- ADHS erklären (z. B. „Ich unterbreche nicht, weil ich unhöflich bin – ich bin nur begeistert!“).
- Gemeinsame Lösungen finden (z. B. Aufgaben aufteilen, die zu Stärken passen).
6. ADHS im Laufe des Lebens
ADHS zeigt sich in jedem Alter anders:
- Kinder:
- Sichtbare Unruhe, Schwierigkeiten in der Schule, Konflikte mit Gleichaltrigen.
- Jugendliche:
- Schulstress, Selbstzweifel, erste Erfahrungen mit Liebe/Freundschaften.
- Erwachsene:
- Berufliche Herausforderungen (Pünktlichkeit, Organisation).
- Beziehungsdynamiken (z. B. „Warum vergesse ich immer Birthdays?“).
- ().
- Senior:innen:
- Rückblick & Akzeptanz („Ich war nicht ‚faul‘ – ich hatte ADHS!“).
- Neue Strategien für den Ruhestand (z. B. Hobbys strukturieren).
7. ADHS & Komorbiditäten
ADHS tritt selten „allein“ auf. Häufige Begleiter:
- Angststörungen (z. B. wegen ständiger Überforderung).
- Depressionen (durch chronisches Scheitern an neurotypischen Normen).
- Autismus („“ – eine häufige Kombination).
- Suchtverhalten (z. B. ).
- Schlafstörungen (das ).
8. Weiterführende Infos & Unterstützung
- Bücher:
- „“ (Sari Solden).
- „Das überforderte Gehirn“ (Ari Tuckman).
- Podcasts & Videos:
- „ADHS verstehen“ (YouTube: Dr. med. Ann-Kathrin Scheerer).
- „Hacking Your ADHD“ (Podcast von William Curb).
- Selbsthilfe & Communities:
- ADHS Deutschland e.V..
- Reddit-Gruppen (r/ADHD, r/ADHDwomen).
- Therapie & Coaching:
- (z. B. für Beruf oder Beziehungen).
- Meine Angebote für Einzelberatung oder Workshops.
9. Häufige Fragen
„Kann man ADHS ‚wegtherapieren‘?“ Nein – aber man kann Strategien lernen, um besser mit den Herausforderungen umzugehen. ADHS hat auch viele Stärken!
„Brauche ich Medikamente?“ Das ist individuell unterschiedlich. Manche profitieren von Medikation (z. B. ), andere setzen auf Therapie, Coaching oder Lebensstiländerungen. Eine gute Aufklärung ist entscheidend!
„Wie sage ich es meinem Kind?“ Mit positiven Worten: „Dein Gehirn ist wie ein Rennwagen – es hat viel Power, aber manchmal braucht es besondere Straßen. Wir finden gemeinsam heraus, wie du es steuern kannst!
PS: ADHS ist kein Makel, sondern eine andere Art, die Welt zu erleben. Mein Ziel ist es, Ihnen zu helfen, diese zu verstehen, zu nutzen – und stolz darauf zu sein. 🚀